Replik der Allianz Zweitwohnungen Schweiz zur Avenir Suisse Studie „Strukturwandel im Schweizer Berggebiet“

Sehr geehrter Herr Grünenfelder Bern, 8. Februar 2017

Ich habe Ihre Studie Strukturwandel im Schweizer Berggebiet mit Interesse gelesen und bedauere es sehr, dass Sie sich bei der Abfassung des Kapitels 6 nicht mit uns in Verbindung gesetzt haben. Wir hätten nämlich zu den folgenden Punkten gerne unsere differenziertere Meinung eingebracht:

  1. Das Steueraufkommen der Zweitwohnungsbesitzer (2WB) in den Ferienorten beträgt nach Steuerteilung mit den Erstgemeinden nach unseren Erfahrungen zwischen 40 – 70%. Ein Mehrfaches als die Gemeinde für diese Teilzeitbewohner aufwendet. Die Gebühren für Produkte und Leistungen der Gemeinde zugunsten der auswärtigen Liegenschaftsbesitzer (Wasser, Anschlussgebühren, etc) werden diesen vollumfänglich in Rechnung gestellt. Vielfach zu einem höheren Tarif als den Einheimischen. Unsere eingehenden Abklärungen bei unseren 35 regionalen Mitgliedern haben klar gezeigt, dass den Destinationen am Ende des Tages keine ungedeckten Kosten wegen den 2WB verbleiben, vielfach aber deutliche Überschüsse.
  2. Die Kurtaxen sind ein Anachronismus aus der Frühzeit des Tourismus, als die Gemeinden der Meinung waren, der durch den Kurbetrieb verursachte Aufwand hätte durch die Gäste gedeckt zu werden und nicht durch die Leistungsträger, die Hotels. Diese Kurtaxen oder Kostenanlastungssteuern, zum grössten Teil durch die 2WB geleistet, sind heute Abgaben, die von den Destinationen verwendet werden um u.a. Infrastrukturanlagen zu bauen, die hauptsächlich der einheimischen Bevölkerung zugutekommen. Wir tolerieren heute diese Steuern unter Narkose als Sponsoring der 2WB zugunsten der Destination, solange, diese nicht überschiessen.
  3. „Kalte Betten“: Hier hätten wir Ihnen gerne weitergeholfen: Unsere Abklärungen haben deutlich gezeigt, dass die Nachfrage nach Ferienwohnungen deutlich kleiner ist als das Angebot, und das auch in der Hauptsaison. Hier eine Zweitwohnungsabgabe als Anreiz zur Vermietung aufzuführen, von Ihnen als liberaler Denkfabrik, hat mich schon etwas erschüttert. Seit der Ablehnung der entsprechenden Kommissionmotion des NR im SR vor drei Jahren sollte das eigentlich klar sein.

Einverstanden sind wir mit Ihnen, dass die 2WB in den Destinationen einbezogen werden sollen. Wir haben uns dazu an der Tagung der SAB vom letzten November eingehend geäussert – Sie finden meine Ausführungen im Referat auf unserer Website. Mit dem SECO haben wir im übrigen kürzlich eine Innotours Studie zum Thema 2WB „Kunden und Partner in den Destinationen“ angedacht, um best practice Beispiele aufzuzeigen, zu initiieren und zu begleiten.

Freundliche Grüsse

Heinrich Summermatter
Präsident Allianz Zweitwohnungen Schweiz